Umzugstag(e)

Umzugstag(e)

Ist das zu fassen?! Der gestrige und der heutige Tag sind nur so an mir vorübergerauscht, da wir mit dem ganzen Umzug schon wieder so viel um die Ohren hatten. Gerade so, wie in München im gesamtem Monat Juli…
Der unbedingt fällige Blogeintrag heute wäre aus mehreren Gründen dennoch fast buchstäblich ins Wasser gefallen. Zum einen bin ich total erledigt, zum anderen hatten wir vor einer guten Stunde einen Wasserrohrbruch im Badezimmers unseres möblierten Apartments. Während ich mit Titus dort zugange war, riss irgendeine Wasserleitung, und wir waren innerhalb von Sekunden pitschnass. Der große Hebel zum Abstellen rührte sich keinen Milimeter, und so rief ich leicht hysterisch bei der Hausverwaltung an. Kaum hatte ich aufgelegt, roch ich es auch schon – mein leckeres Dhal auf dem Herd war leider komplett eingebrannt, während ich mit den Wassermassen kämpfte. Rauchschwaden waberten durch die Wohnung, als es auch schon an der Tür klingelte und der recht irritierte Hausmeister zumindest die Wasserzufuhr abstellen konnte. Das Bad ist nun leider nicht mehr benutzbar, und zum Abendessen gab es Toastbrot.
Dabei fing alles so gut an, freuten wir uns gestern morgen so auf die Schlüsselübergabe für unser neues Zuhause! Pünktlich um 11 Uhr, wie verabredet, fuhren Titus und ich mit dem Großraumtaxi vor, hatten wir doch zig Kisten, Koffer und Taschen dabei. Bei schwülen Temperaturen warteten wir geraume Zeit, denn natürlich verspätete sich unsere komplett verpeilte Maklerin Charissa um eine Viertelstunde – genug Zeit also, um nochmal das Haus zu umrunden und die Fitnessgeräte im Garten auszuprobieren.

Zu allem Übel war Charissa, als sie dann endlich mit quietschenden Reifen auf den Parkplatz bog, auch noch hochgradig erkältet und hatte nicht so recht Lust auf lange Gespräche mit uns. Doch das half ihr leider nichts, denn ich war gut vorbereitet und ging akribisch die zwei Seiten voller Fragen durch: Wie läuft die Wartung der Klimaanlage? Wo können wir unsere Fahrräder abstellen? Gibt es einen Hausmeister? Und und und…
Die Übergabe verlief dann sehr schnell, mir wurde noch das Büro des Hausmanagers gezeigt und ein riesiges Arsenal an Schlüsseln ausgehändigt (für jedes Fenster, für jede Tür, für jede Schublade) und kurz die Funktionsweise des „bomb shelters“ (also der Schutzraum – den gibt es hier standardmäßig in allen Wohnungen und öffentlichen Gebäuden) erkärt, und das war’s.

Titus und ich standen dann etwas verloren in der komplett leeren Wohnung, erinnerten uns dann aber an unsere ganzen Kisten, die noch beim Pförtner standen, und organisierten beim Putztrupp des Hauses erst einmal einen Wagen, mit dem wir das schwere Gepäck in den Aufzug transportieren konnten. Der kleine Kerl half fleißig mit beim Schieben und anschließenden Auspacken und hatte sich dann unbedingt ein Rosinenbrötchen vom Bäcker gegenüber und einen ausgiebigen Spielplatz- und Poolbesuch verdient.
Für die dienstägliche Chorprobe nahm ich tatsächlich den feschen Tretroller mit, und der tat auch gute Dienste! Mein Anschlussbus fiel nämlich aus, und die verbleibenden 4 km bis zum Probensaal rollerte ich mit etwa 18 km/h dahin und kam nur minimal zu spät. Diesmal war ich besser gerüstet und packte nach einer halben Stunde – wie alle meine Mitsänger – die warme Strickjacke aus. Auf der Busfahrt nach Hause hielt der Bus auf einmal nach etwa einem Viertel meiner fast einstündigen Fahrt an. Leider verstand ich vom Singlisch (Singapur-Englisch – mehr dazu mal gesondert in einem Post!) des Busfahrers nicht viel, doch meine nette Nebensitzerin klärte mich auf: der Bus hatte einen Platten, alle aussteigen und auf einen Ersatzbus warten.
So war ich erst weit nach 23 Uhr wieder zuhause – und um 7 Uhr klingelte heute morgen der Wecker wieder.
Weitere Taschen mussten gepackt werden, Kind mit Frühstück versorgt und angezogen werden, Norman bestellte uns auf dem Weg ins Büro ein Taxi und so erreichten Titus und ich Punkt 9 Uhr unsere neue Wohnung. Dort wurden wir bereits von fünf Herren der ortsansässigen Umzugsfirma erwartet, auf deren riesigem LKW unser komplette Wohnungseinrichtung aufs Ausladen wartete.
Zunächst einmal wurde jedoch die Wohnung besichtigt und akribisch die Böden, Ecken, Kanten, Türrahmen, Lichtschalter und Aufzüge mit Karton ausgekleidet. Titus harrte aufgeregt der Dinge, doch die folgende Stunde passierte erst einmal: nichts. Keine Ahnung, ob die Möbelpacker erst einmal Brotzeit machen mussten oder ob das Entladen des LKW so lange dauerte. Ich saß jedenfalls lange, lange auf dem Fußboden herum und guckte Bilderbücher an…

Aber dann ging es los: bis kurz nach 13 Uhr wurde Karton um Karton in unsere Wohnung gekarrt. Ich hakte brav alles auf der 10seitigen Inventarliste ab und schrie, welche Kiste in welches Zimmer gebracht werden sollte. 
Bald waren Balkon (da kamen die Sachen hin, von denen ich keine Ahnung hatte, wohin sonst damit) und das Wohn-/Esszimmer so vollgestopft, dass man kaum noch einen Schritt tun konnte. Als endlich Stück 161 abgehakt war, wurde die Mittagspause ausgerufen, und Titus verputzte auf der Küchenarbeitsfläche sitzend die kalten Spaghetti vom Abend vorher.

Danach wurde ausgepackt und montiert – Betten und Schreibtische zusammengeschraubt, Balkonmöbel aufgestellt, Regale ins richtige Zimmer geschoben, und ich raste wie der Roadrunner zwischen sämtlichen Räumen hin und her und musste immerzu Anweisungen geben: das hier mehr nach links, das Bett bitte so herum, das Sofa hier an die Wand… Puh. Zum Glück war inzwischen Titus‘ heißgeliebte und 8 Wochen lang (fast auf den Tag genau – so lange braucht also ein Haushalt von München nach Singapur) schmerzlich vermisste Spielküche mitsamt Inventar aufgetaucht, und einer der Möbelpacker bastelte ihm aus einem leeren Karton noch schnell ein Spielhaus, so dass der Junior bestens beschäftigt und selig war.
Leider tauchten trotz langwieriger Suchaktionen die Schrauben für Titus‘ neues Kinderbett nicht auf, und um halb fünf wurde Feierabend gemacht. Ich war wirklich erstaunt, als ich auf die Uhr schaute, während die Packer sämtiche leeren Kartons und die Berge an Verpackungsmaterial zusammenräumten und sich verabschiedeten. Wo war nur der ganze Tag geblieben? Da bisher höchstens die Hälfte aller Kisten ausgepackt ist, kommen die Umzügler morgen noch einmal und machen weiter – hoffentlich finden wir dann die Schrauben! Ganz entgegen unserer Erwartungshaltung ist aber offenbar alles heil geblieben, selbst der große Balkon-Glastisch und auch sämtliche Sekt- und Weingläser; wirklich erstaunlich nach so einem langen Transportweg!
Während Titus noch hochgradig begeistert die Kisten mit seinen Spielsachen durchforstete, guckte ich mich in allen Räumen noch einmal um, und konnte tatsächlich unsere Kaffeemaschine ausfindig machen und auspacken. Wie freue ich mich schon auf einen ordentlichen Kaffee morgen vormittag! Beim Gang durch unser Schlafzimmer stutzte ich allerdings: zwar war unser großes Bett bereits aufgebaut worden, doch irgendwie sah es anders aus. Nach längerem Grübeln stellte ich fest, dass ein Teil des gepolsterten Rahmens fehlte. Ich suchte und suchte, doch konnte ihc nichts dergleichen im Kistenchaos entdecken. Also zückte ich mein Telefon und führte ein längeres Telefonat mit unserem zuständigen Umzugskoordinator, dessen tschechische Firma als Dienstleister für die Allianz bei Auslandsumzügen tätig ist. Von Singapur nach Prag schilderte ich meine „Verlustängste“ und man versprach, auf die Suche zu gehen. Hmmm, wie realistisch ist es, dass so ein Einzelteil wieder auftaucht?!
Völlig unterzuckert und geschafft eiste ich Titus schließlich mit dem Lockmittel „Eis!“ von seinen Spielsachen los, und da ich völlig verschwitzt und verdreckt war, sprangen wir um kurz nach 18 Uhr sogar noch in den Pool.
Das anschließende Drama hatte ich ja bereits zu Beginn geschildert…
Nach diesem ganzen Chaos bestand Titus darauf, dass wir uns ja noch von seiner geliebten Sushi-Köchin verabschieden müssten – was ich in der Hektik tatsächlich fast vergessen hätte. Mit selbst gemaltem Bild und ein paar Pralinen marschierten wir also ins Erdgeschoss, gaben die Präsente ab und sagten „Auf Wiedersehen“, während die Dame ein Tränchen verdrückte, noch einmal die Keks-Dose öffnete und anschließend sogar ein Küsschen bekam.
Gegen halb neun kam endlich Norman nach Hause, der just in dieser Woche soviel im Büro zu tun hat, dass ich ihn kaum zu Gesicht bekommen habe. Während er sich das angebrannten Linsengericht schmecken ließ, konnte ich ihn im Schnelldurchlauf auf den neuesten Stand in Sachen „Umzug“ bringen. Nun steht mal „noch eben“ Kofferpacken auf der Agenda, denn wir fliegen tatsächlich morgen abend nach Sumatra. Von dort aus gibt es dann auch den ersten Rückblick über unseren ersten Monat in Singapur!

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