Tüten-Wahnsinn und Freitags-Routine

Tüten-Wahnsinn und Freitags-Routine

So, ich habe das erste Singapur-Level durchgespielt: beim heutigen Wocheneinkauf im Fairprice-Supermarkt habe ich es tatsächlich geschafft, den Laden ohne eine einzige Plastiktüte zu verlassen. Yeah!
Die Tüten-Wut hier wirkt ja für einen halbwegs ökologisch denkenden und mit Recyclinghöfen und Mülltrennung großgewordenen Mitteleuropäer äußerst sonderbar. Alles wird einzeln verpackt und eingetütet, manchmal sogar in zwei Tüten ineinander gesteckt, und als ich kürzlich beim Bäcker nicht aufpasste, steckte die Verkäuferin dort sowohl das Schokocroissant als auch das normale Croissant als auch das Rosinenbrötchen jeweils in eine Plastiktüte, um dann diese drei Tüten wiederum in eine noch größere Tüte zu stopfen. Aaaaah!
Des Tütenberges in unserer Küche werde ich gar nicht mehr Herr, denn die Dinger einfach so wegzuwerfen, kommt ja schon mal Ü-B-E-R-H-A-U-P-T nicht in Frage. Nun sind wir also nach drei Wochen Singapur für den Rest unseres 2-3jährigen Aufenthalts mit Müllbeuteln ausgestattet.
Heute aber wies mich Titus bereits beim Betreten des Supermarktes darauf hin, dass wir ja keine Plastiktüten mehr möchten. Braves Kind, er hat die gute Erziehung von mir. So brüllte er auch bereits 5 m vor der Kasse die Dame dahinter an: „Keine Tüten, bitte!“, was diese natürlich aufgrund der Sprachbarriere ignorierte. Doch ich platzierte diesmal blitzschnell meinen leeren Rucksack mitsamt diversen Jutebeuteln, was zu großer Irritation seites der Dame führte, und in einem sicher seltsam aussehenden Art Ringkampf entriss ich ihr jedes gescannte Stück und verpackte es eigenhändig. Denn ist man nicht schnell genug, ist das Zeug verpackt, ehe man „stop“ sagen kann.
Die Dame versuchte mehrfach noch ihr Glück: „But bag for the vegetables?“ – „No.“ „But bag for the refrigerator products?“ – „No!“ Und so weiter, und so fort. Ermattet, aber glücklich über unseren Erfolg, verließen Titus und ich mit „high fives“ den Supermarkt. Ob ich das nervlich jede Woche durchstehe, weiß ich noch nicht…
Nach dieser Anstrengung brauchten das Kind und ich erst einmal ein Mittagessen und eine anschließende Siesta, die zumindest ich mit Recherchen für unseren geplanten Tauch- und Strandurlaub auf Langkawi im Oktober zubrachte (falls jemand gute Tipps für Unterkunft – so ein nettes Hüttchen am Strand wäre toll! – oder eine gute Tauchschule oder sonstige Unternehmungen dort hat: her damit!). 
Während meines anschließenden Telefonats mit meiner lieben Freundin Katrin, die mich mit Pflanztipps für unseren neuen Balkon versorgte (mit tropischem Klima kenne ich mich als Hobbygärtnerin ja noch nicht so gut aus), entdeckte ich im Aquarium, dass sich dort an der Wasseroberfläche zunehmend Bläschen ablagerten. Sogleich schickte ich Fotos davon an Norman, der diese wiederum an die ehemalige Besitzerin weiterleitete – nicht, dass dem Tier gleich nach vier Tagen wegen mangelnder Pflege oder schlichtem Unwissen etwas zustößt.
Die Bilder riefen aber nur große Heiterkeit hervor, und wir wurden aufgeklärt, dass der kleine Kampffisch wohl Frühlingsgefühle habe und deshalb am Bau eines „Schaumnestes“ arbeiten würde. Da fühlte ich mich doch gleich geschmeichelt!

Am Nachmittag rafften Titus und ich uns auf, trotz bedrohlicher Regenwolken am Himmel endlich doch mal wieder in den Pool zu hüpfen; bei 28 Grad draußen fast schon ein kühles Vergnügen. Doch als wir nach einer halben Stunde endlich alle nötigen Spielgeräte im Wasser und wahlweise aufgepustet oder zusammengebaut hatten, öffnete der Himmel seine Schleusen und wir wurden von der Pool-Aufsicht aus dem Becken gescheucht. Immerhin war das Kind nun wieder sauber.
Als uns gegen halb sieben der Hunger plagte, konnte ich das durch das Mittagsschläfchen äußerst aufgeweckte Kind zu einem Spaziergang überreden. Wie jedes Mal, wenn wir unser Apartment verlassen und im Erdgeschoss durch das Einkaufszentrum nach draußen laufen, wurden wir wieder von den verschiedenen Standbesitzern gegrüßt – Titus hat sich überall schon bekannt gemacht. Seine große Liebe ist aber die Dame, die als Sushi-Köchin arbeitet, und von der er nun immer geherzt und mit Keksen versorgt wird. Die Singapurer haben schon ein Händchen für Kinder!
Mit einem kleinen Snack in der Hand marschierten wir nun etwa 15 Minuten die Scotts Road hinunter bis zum Newton Circus. Dort befindet sich das recht berühmte „Newton Food Centre„, eine sehr große Ansammlung von Essensständen. Ziemlich touristisch, dafür aber hübsch und ordentlich, spätestens ab Einbruch der Dunkelheit voll bis auf den letzten Sitzplatz und auch ganz fotogen.

Wie ein Profi suchte Titus zuerst einmal das allgegenwärtige Waschbecken auf (wie immer gab es dort auch eins in Kinderhöhe), wusch sich die Hände und dann machten wir uns auf Getränke- und Essenssuche. 


Norman war auch inzwischen eingetroffen, und es dauerte ein Weilchen, bis jeder sein Wunschessen vor sich stehen hatte. Service-Tipp: da man ja den mühsam gefundenen Tisch wieder verlassen muss, um an die Selbstbedienungsstände zu gehen, lässt der gewiefte Singapurer einfach eine Visitenkarte (oder, wie ihn Normans Fall, den Organspendeausweis) auf dem Tisch liegen. Das reicht als „Reserviert“-Schild.
Trotz zweimaligem Umrundens der etwa 50 Stände fand ich auf den ersten Blick zunächst einmal keine vegetarischen Gerichte, doch inzwischen frage ich auch einfach nach, und so konnte ich mich bald mit Mee Goreng (Gemüse mit Nudeln) und dazu eiskaltem Tiger-Bier ins Wochenende starten.

Das immer noch aufgedrehte Kind belästigte, nachdem es ein Naan-Brot und einen halben Liter frischgepressten Orangensaft konsumiert hatte, das Putz- und Aufräumpersonal und war in äußerst redseliger Stimmung, die auch den gesamten Nachhauseweg und die folgenden zwei Stunden anhielt. Eltern kennen das: Kind schläft eine Stunde mittags und geht dann drei Stunden später ins Bett…
Beim Aufräumen entdeckte ich heute noch in einer Schublade des äußerst unschönen Wandschranks ein hübsches Gemälde – in Ermangelung von Papier musste das arme Kind leider auf alternative Maltechniken und -Leinwände zurückgreifen und hat sich darin verewigt. „Selbstportrait mit Nikolaus“, so der Titel des Kunstwerks.

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