Stadtrundfahrt und Inselträume

Stadtrundfahrt und Inselträume

Die Woche geht zu Ende, noch einmal steht allerdings ein Behördengang an, wir müssen ja die fehlenden Formular beim Ministry of Manpower (was für ein schicker Name!) abgeben, und düsen deshalb mit der MRT wieder quer durch die Stadt. Titus marschiert drinnen zielstrebig zur Kinderspielecke, wenigstens ihn stört die halbstündige Wartezeit nicht sonderlich. Endlich werden unsere Unterlagen abgenickt und wir erhalten den Bescheid, dass unsere Ausweise innerhalb der nächsten Woche fertig sein werden. Puh.
Als „Belohnung“ marschieren Titus und ich zum Clarke Quay und besteigen dort ganz touristisch ein Boot der Singapore River Cruises. Mit dem lassen wir uns bei lauem Lüftchen eine Stunde lang über den Singapore River shippern, bestaunen die Hochhäuser des Financial Districts, die wasserspuckende Löwenskulptur des „Merlions“ und das spektakuläre Gebäude des Marina Bay Sands Hotels. Zitat Titus: „Können wir da einziehen?“
Der „Merlion“, das Symbol Singapurs

Wir fahren außerdem an der Formel-Eins-Zielgerade vorbei, auf der großen Tribüne dort wird gerade schon fleißig für den Nationalfeiertag geprobt, der am kommenden Donnerstag stattfindet, und für den bereits die ganze Stadt mit rot-weißen Nationalfarben dekoriert ist.
Nicht nur auf den Straßen, auch auf dem Wasser wird Wert
auf Sauberkeit gelegt: hier ein Müllsammel-Boot, die Herren fischen
jedes noch so kleine Blättchen oder Papierchen aus dem Wasser.
Formel-Eins-Tribüne

Zurück am Ufer, überredet mich Titus gekonnt zu einem Mittagslunch mit Pommes, Eistee und Erdbeereis (= Kinderglück!) und anschließend wagen wir es, mit dem Bus nach Hause zu fahren. Zum Glück ist die Stadt flächendeckend mit superschnellem Netz ausgestattet, und dank Internet finden sich problemlos immer und überall die besten Verbindungen von A nach B. Also steigen wir in den Bus mit der richtigen Nummer ein, halten beim Einstieg unsere Chipkarte ans Lesegerät, wie ich das bei den Passagieren vor uns abgeguckt habe, und genießen die günstige Stadtrundfahrt. Jetzt, am frühen Nachmittag, hält sich der Verkehr zum Glück in Grenzen, und wir kommen überraschend schnell bei unserem Apartment an.

Schnell die Badesachen geholt, und schon sitzen wir wieder mal im Pool, während über uns di Kampfflugzeuge hinwegdonnern, ebenfalls für den Nationalfeiertag und die dazugehörige Flugshow probend. Titus freundet sich derweil mit dem arabischen Buben an, der mit Mama und Schwestern ebenfalls zum Baden gekommen ist, und wieder braucht es offenbar keine gemeinsame Sprache, um ausdauernd den Ball hin- und herzuwerfen.
Der Nachmittag geht so schnell vorbei, und schon brechen wir wieder auf, erneut mit dem Bus. Leider erwischen wir zum großen Kummer des Juniors schon wieder keinen Doppeldeckerbus (davon gibt es hier erstaunlich viele, auf allen Linien), und da wir mitten in die Rush Hour kommen, fahren wir fast 40 Minuten bis zum Financial Disctrict. Dort, in einem der beiden riesigen Asia Towers, befindet sich Normans Büro (und zum Glück auch wie überall in Singapur ein Brunnen davor!), und dort holen wir den Fleißigen von der Arbeit ab und marschieren zusammen zum nächstgelegenen Hawker Center.

Diese gibt es in der ganzen Stadt, jedes Viertel hat seinen eigenen: wie in einer Markthalle tummeln sich unzählige Essensstände auf engstem Raum, es gibt Sushi, Indisch, Thailändisch, zig Varianten aller asiatischen Geschmäcker werden bedient, außerdem Bäcker, Getränkestände, Spezialitäten,… Kurz: für jeden Appetit findet sich etwas, dazu noch sehr günstig. Gegessen wird dann an großen Tischen draußen, jeder holt sich, was er mag, und so sitzen wir nach Sonnenuntergang am Fuße der riesenhaften Hochhaustürme mitten in großem Trubel und lassen es uns schmecken.

Titus vergreift sich mit Begeisterung an meinem indischen Thali und verputzt alle Chapatis und Samosas, anschließend will er sich wieder mal davonmachen und auf eigene Faust umherspazieren, aber dafür ist hier doch viel zu viel los und außen um das Hawker Center dröhnen Autos auf den 4spurigen Straßen.

 
Also machen wir lieber gemeinsam noch einen Spaziergang an der nächtlichen Esplanade entlang und sind nach zehn Minuten verschwitzt. Schnell ins klimatisierte Taxi und ab durch den dichten Verkehr der Ausgehwilligen zurück ins Apartment.
Am nächsten Morgen kann ich mich endlich mal wieder ein bisschen bewegen, seit Tagen plagen mit Nackenschmerzen und ich muss dringend was dagegen tun. Heute ist ja Samstag und Norman versorgt Titus, während ich im 7. Stock aufs Laufband im Gym steige und nach einer halben Stunde noch in den völlig verlassen daliegenden Pool hüpfe und eine weitere halbe Stunde Bahnen ziehe, während die Sonne durch die Wolken spitzelt und die Großstadt erwacht. Was für ein Glück, jeden Tag einfach gutes Wetter voraussetzen zu können!
Da in unserer Küche – wie wahrscheinlich in ganz Asien – mini-klitzekleine Ameisen hausen, haben wir kaum Vorräte da, und da meine Männer zum Aufbruch drängen, lasse ich das Frühstück ausfallen und packe lieber schnell meine Badesachen. Meine Kaffeemaschine vermisse ich eh schmerzlich, am Tag zuvor hatte ich mich zu einem Cappucchino to go hinreißen lassen, den mir der Preis (8 S$ = 6 Euro) gleich wieder vermiest hat.
Wir steigen also ins vorbestellte Uber-Taxi, ich bin übrigens sehr begeistert davon, wie unkompliziert das funktioniert: man bestellt per Handy-App einfach den nächstgelegenen Fahrer zu sich, bekommt Name und Autokennzeichen mitgeteilt und so findet man sich auch problemlos. Die Fahrer sind zum Teil einfach Privatfahrer, die sich was dazuverdienen wollen, oder ganz reguläre Taxifahrer. Der Fahrpreis für die ausgewählte Strecke steht von vornherein fest, und bisher kamen die bestellten Autos auch immer innerhalb von fünf Minuten.
Mit eben so einem Uber-Taxi fahren wir etwa 25 Minuten lang nach Sentosa, die vor Singapur liegende Insel, und verbringen einen herrlichen Tag am Tanjong Beach. Der Sand ist herrlich fein, das Wasser so warm, dass es kaum abkühlt, die Palmen spenden Schatten, ein leichter Wind weht und vom nahegelegenen Beach Club schallt feinstern Clubsound herüber.

Wollte Titus letzten Sommer in Costa Rica nicht einmal einen Zeh ins Meehr halten, verlangt er nun halbstündlich von uns, „über die Wellen getragen zu werden“, und lässt sich mit großer Freude bis zum Hals eintauchen. Wir haben nicht einmal seine Schwimmflügel dabei, weil wir gar nicht damit gerechnet hatten, dass er ins Wasser möchte, aber offenbar ist es ihm draußen sonst auch zu heiß und er genießt das warme Meerwasser sichtlich.
Noch mehr gefällt ihm aber das dreijährige Mädchen, dass unter der Nachbarpalme im Schatten sitzt und mit seiner Nanny Sand schaufelt. Nach kurzem Zögern marschiert er hinüber, und ab dann spielen die beiden unter der Aufsicht der Nanny stundenlang einträchtig zusammen. Titus redet wie immer ohne Punkt und Komma auf die beiden ein, die natürlich kein Deutsch verstehen, und die Kleine himmelt ihn an und sagt hin und wieder: „I can’t understand him?!“

Währenddessen whatsappe ich über das Gratis-WLAN (am Strand!) mit Regina, und nach einem Mittagssnack besteigen wir den Insel-Shuttlebus und fahren rüber zum Palawan Beach. Dort gibt es einen riesengroßen Kinderspielbereich, und dort wird noch einmal ausgiebig geplanscht, bis wir wirklich alle genug von der Sonne haben. Der Shuttle bringt uns zur Monorailbahn, neben der Gondel (!), dem überdachten Fußweg und dem Bus/Taxi/Auto eine weitere Möglichkeit, die Insel zu erreichen.
Mit der kommen wir gratis zurück aufs Festland und von dort aus mit der U-Bahn innerhalb einer halben Stunde zurück nach Hause. Da es auf Sentosa noch zig andere Vergnügungsmöglichkeiten gibt (die Universal Studios, eine Sommerrodelbahn, eine ShoppingMall natürlich und daneben auch noch weitere Strände), kommen wir sicher noch des Öfteren dorthin. Mir war gar nicht bewusst, wie nah und gut erreichbar dieses Ausflugsziel von der Innenstadt aus ist!
Zum Abendessen gehen wir heute mal wieder aus, Freunde haben uns die Kette „Din Tai Fung“ empfohlen, dort soll es die besten Dumplings geben. Zum Glück befindet sich eine Filiale gleich in der nahe gelegenen Mall „Ion Orchard“, und als wir dort ankommen und uns einen Weg durch die Menschenmassen gebahnt haben (shoppingsüchtig, alle sind hier shoppingsüchtig!), stellen wir fest, dass man dort sogar eine Nummer ziehen muss, um überhaupt einen Tisch zu ergattern. Zum Glück lässt sich die halbe Stunde Wartezeit damit überbrücken, dass wir den Köchen durch eine große Glasscheibe bei ihrer Arbeit zuschauen können: in reiner Handarbeit wird da Teig gerollt und in rasantem Tempo die kleinen Teigtaschen gefaltet und im Bastkorb gedämpft.
Die schmecken dann auch tatsächlich sehr, sehr gut, und Titus verputzt ein ganzes Körbchen von mit Tofu und Spinat gefüllten Dumplings, 8 Stück an der Zahl. Wollte er am Nachmittag noch lieber „Pommes oder Nudeln“ essen, fragt er auf dem Heimweg noch: „Wie hieß das Essen nochmal? – Ah ja, Dumplings, die mag ich!“

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