Singapur-Gartenschau mit musikalischem Abschluss

Singapur-Gartenschau mit musikalischem Abschluss

Hooray, heute morgen hat die Kassiererin beim wöchentlichen Großeinkauf im Supermarkt gleich von sich aus erkannt, dass wir keine Tüten brauchen. Jetzt hab ich sie gerade so gut erzogen, und nächste Woche ziehen wir um und ich muss beim dortigen Lebensmitteldealer von vorne anfangen.
Aber ganz ehrlich: auch ohne Tüten ist so ein Einkauf hier ökologisch bedenklich. Obst und Gemüse gibt es nämlich nur verpackt. Und wenn ich verpackt sage, meine ich am Beispiel Gurke: mit Styroporschälchen und Plastikfolie. Ebenso fällt die Bilanz bei Äpfeln, Salat oder Karotten aus. 

Da habe ich in München mühsam jeden Freitag meinen Kartoffelporsche zum Wochenmarkt gekarrt, um wo viel „zero waste“ wie möglich zu praktizieren, und nun das! Norman hat meine Sorgen erkannt und versorgte mich umgehend mit den exakten Koordinaten des nächstgelegenen „wet markets„, also dem offenen Lebensmittelverkaufs. Bio ist dort zwar sicher nix, aber ich werde nach unserem Umzug nächste Woche (sobald mein Wägelchen wieder verfügbar ist) dorthin marschieren.
Den Rest des Vormittags verbringen Titus und ich am Pool. Dort sitzt stets, zu den gesamten Pool-Öffnungszeiten (also von 7-22 Uhr) jemand vom Personal, der genau darüber äugt, wer wann wie lange dort schwimmt. Dazu muss man sich auch akribisch jedes Mal mit Uhrzeit in eine Liste eintragen. Keine Ahnung, warum. Die Dame, die meistens tagsüber dort Dienst tut, merkte bereits mit großer Belustigung an, dass Titus ja offensichtlich ein begeisterter Schwimmer sei, so oft, wie wir dort aufkreuzen. Und sicherlich schlafe das Kind immer bestens nach der ganzen Wasser-Herumtoberei. Und als sie dies heute so sagte, stellte ich fest: es stimmt, das Kind schläft tatsächlich seit mindestens 4 Wochen erstaunlich gut. Fast jede Nacht bis auf eine Schnullersuche oder einen Durstanfall ohne Unterbrechnung – und das nach mehr als drei Jahren. Endlich!
Nach einem schnellen Mittagessen (die Ameisen haben inzwischen vollständig die Küche und nun auch das Wohnzimmer erobert, zu größeren Kochaktionen fehlt mir da dann doch der Elan) und einem Telefonat mit der frühstückenden Regina machten wir uns mit dem Bus Richtung Marina Bay auf.
Über eine schicke Fußgängerbrücke überquerten wir den Singapore River, winkten kurz Richtung Normans Büro und guckten uns die Formel Eins-Tribüne an. 


Überall hängt bereits Werbung dafür in der Stadt – musikalische Highlights wie „Duran Duran“ und Ariana Grande sind vertreten und die Eintritts- und Hotelpreise am besagten Septemberwochenende sind astronomisch.
Egal, interessiert mich eh nicht – unser Ziel dagegen war heute mal wieder der schöne Park „Gardens by the Bay„. Mit Titus an der Hand, der heute sehr laufwillig war, spazierte ich durch diese unglaublich tolle Gartenanlage, in der es soviel zu entdecken gibt. Und das Ganze ist kostenlos!
Heute steuerten wir den großen Kinderbereich an. Dort ist der größte Wasserspielplatz, den ich je gesehen habe, es gibt extra Bereiche für große und für kleine Kinder, dazu einen Erlebnis-Pfad unter zu Tunneln verwachsenen Tropensträuchern, einen „normalen“ Spielplatz, ein Café und – wofür ich stets sehr dankbar bin – ausreichend schattige Bänke und sonstige Sitzgelegenheiten. 
Die Wasserspiele waren Titus natürlich viel zu wild, aber der Spielplatz  fand seinen Zuspruch, und so kriegten wir den Nachmittag erstaunlich schnell herum. Ich hatte zwar Lesestoff dabei, war aber so angetan von dem wilden Treiben um mich her, der herrlich warmen Luft, den schönen Pflanzen und meinem gut gelaunten Kind, dass ich meist einfach nur so dasaß oder herumstand und grinste.

Gegen 19 Uhr wurden die Wasserfontänen abgestellt und der Kinderbereich geschlossen; der restliche Park ist aber bis weit nach Mitternacht geöffnet, und so kehrten wir dort für’s Abendessen in ein kleines Café ein. Da Norman heute noch spät Termine hatte, mussten wir unsere Freitags-Tradition, das Wochenende mit einem gemeinsamen Restaurantbesuch einzuläuten, heute leider ausfallen lassen. Das Essen im Café war mäßig und sauteuer, und zu allem Übel wollte uns die Bedienung einen großen Gefallen tun und setzte uns nicht auf die nette Terrasse, sondern ins Innere direkt unter die Klimaanlage. Titus und ich froren so sehr, dass wir aneinandergekuschelt das Essen in uns hineinstopfen, schnell zahlten und sehr erleichtert in die tropische Abendluft hinausgingen.
So langsam dämmerte es, und die künstlichen Bäume („Supertrees„) mitten im Park wirkten durch die tolle Beleuchtung wie Zauberwesen. 
Direkt unter einem der Bäume ergatterten Titus und ich einen Sitzplatz, rundum saßen und lagen Hunderte und Aberhunderte von Menschen, denn hier findet jeden Abend um 19:45 Uhr und um 20:45 Uhr eine große Lichtershow mit Musikuntermalung statt. Genau eine Minute vor Beginn rollerte Norman durch die Menschenmengen auf uns zu, und los ging das Spektakel.
Zu den größten Musical-Hits (das musikalische Thema wechselt monatlich) blinkten und strahlten die Bäume im Takt, und wir genossen die Show sehr. Diesmal hatte ich vorsorglich auch Titus‘ Ohrstöpsel dabei, und so lag das Kind völlig entspannt auf meinem Schoss und blickte 20 Minuten wie gebannt nach oben. Ein sehr stimmungsvolles Abendprogramm, kann ich jedem Besucher hier nur empfehlen. Und wie gesagt: alles kostenlos!

Leider staute es sich beim anschließenden Weg zur MRT, die Menschenmassen mussten erst einmal über Brücken und Treppen raus aus dem Park, aber dank Roller und laut vor sich hin hupendem kleinen Beifahrer umgingen wir den größten Stau. Titus war völlig beseelt und textete Norman zu – der Papa ist abends und morgens seit ein paar Tagen wirklich seeeeehr wichtig, was wahrscheinlich auch bedeutet, dass zumindest die seit drei Jahren andauernde „Mama-Phase“ durch die schlichte Dauer-Verfügbarkeit aktuell überstanden zu sein scheint.
Zuhause angekommen, video-fonieren wir noch ein halbes Stündchen mit der Familie in Senden, sogar meine Oma ist heute mit dabei, und Titus verteilt Luftküsse an alle, muss aber dann dringend noch eine Runde spielen.
Es ist schon halb zehn, bis Titus endlich im Bett liegt, und er schläft dann innerhalb von Sekunden nach dem obligatorischen Vorlesen ein, so dass Norman und ich tatsächlich noch eine Flasche Weißwein aus dem „heiligen“ Vorrat öffnen – Prost!

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