Gegen den Durst

Gegen den Durst

Brrrr, ich sitze komplett durchgefroren am Esstisch – nach fast 3stündiger Chorprobe im auf Kühlschrank temperierten Probensaal und der anschließenden Busfahrt nach Hause, in der mir die Klimaanlage arktische Luft direkt ins Gesicht gepustet hat, muss ich mich tatsächlich erst einmal aufwärmen.
Ich schenke mir dazu den letzten Schluck aus der offenen Rotweinflasche ein und stelle fast, dass die Wärme in unserer Küche nicht unbedingt zur Qualitätserhaltung beigetragen hat. Egal, der muss jetzt eh weg.
Norman stellt mit Besorgnis fest, dass wir seit unserer Ankunft in Singapur bereits 2 (!) Flaschen Wein getrunken haben und unsere Vorräte bedenklich schrumpfen. Ich beruhige ihn, denn diese Vorräte sind ja nur die paar Fläschen, die wir im Koffer und Handgepäck mitgebracht haben. Die Kartons voller Wein, Sekt und sonstiger Alkoholika sind hoffentlich heil im Container…
Meine zweite Chorprobe heute war sehr anspruchsvoll, das Tempo ist hoch und der Anspruch des Chorleiters auch. Leider kam ich gleich mal fünf Minuten zu spät, da ich trotz viel Zeitpuffer mitten in der Rush Hour steckte und dann auch noch von der U-Bahn-Station aus fast 2 km laufen musste, um bis zum inmitten eines großen Uni-Campus gelegenen Probensaal zu kommen. Da wünschte ich mir direkt Normans rasanten Roller herbei, den muss ich mir definitiv für’s nächste Mal ausleihen. Denn so rotgesichtig und verschwitzt, wie ich nach meinem hektischen Fußmarsch ankam, möchte man ja eigentlich nicht auftreten…
Dabei war es heute gar nicht mal so heiß draußen; dicke schwarze Wolken bedeckten den ganzen Tag über den Himmel und Titus und ich konnten uns nicht so recht zum Pool-Besuch aufraffen. Also verbrachten wir den Vormittag mit einem Abstecher in den Supermarkt und den Drogeriemarkt. Denn – Achtung, wieder ein Service-Hinweis! – das Leitungswasser in Singapur hat zwar beste Trinkwasserqualität (und riecht auch nur ganz leicht nach Chlor), ist aber vollkommen frei von Kalk (herrlich – für Haare, Wäsche und Armaturen) und leider auch Mineralstoffen. Deshalb wird dringend empfohlen, den Mineralienhaushalt anderweitig aufzufüllen, was einem als Mitteleuropäer ja gar nicht auf Anhieb in den Sinn kommt. Also suchte ich zunehmend verzweifelt die meterhohen Regale der Nahrungsergänzungsmittel in der Drogerie ab, die zwar für alles Mögliche Supplemente darboten, aber die „Einfach alles, und zwar schön hoch dosiert“-Variante war gut versteckt.
Und leider dann auch ziemlich teuer, weshalb ich jetzt schon eine Einkaufs- bzw. Mitbringliste für unseren ersten Heimatbesuch führe!
Tagesaufgabe erledigt, und als wir ins Apartment zurückkamen, war bereits der Mann vom Housecleaning zugange. Titus ist völlig durcheinander, dass hier ein Mann putzt (und nicht wie in München unsere Putzfeen Monika und Joanna), und ich halte das für ein tolles Lehrbeispiel in der Gender-Erziehung. Das Kind verfolgte nun den putzenden und Betten beziehenden Herren auf Schritt und Tritt und redete dabei ununterbrochen auf ihn ein. Dass die Singapurer ihn einfach nicht verstehen können, will ihm nicht in den Sinn.
Mit dem Verweis auf einen Ausflug kann ich den Junior vom Staubsauger weglocken, und wir fahren mit der U-Bahn einmal auf die andere Seite der Stadt, nach Geylang. Meine persönliche Wochenaufgabe lautet, möglichst viele nette Cafés mit Spielmöglichkeiten zu finden – irgendwann bastle ich daraus mal eine praktische Übersichtskarte – und so erreichen wir nach einer halben Ewigkeit und einer sehr kurzweiligen Fahrt (die U-Bahn fährt auf dieser Strecke irgendwann oberirdisch; die Begeisterung könnte bei so einem Dreijährigen nicht größer sein!) das völlig verlassene Café „Fika„.
Dieses liegt im ersten Stock eines Einkaufszentrums und hat leider keine Außenterrasse, die ich mir erhofft hatte. Kaffeetrinken unter Neonlicht finde ich extrem unangenehm, und deshalb bin ich zwar von der netten Bedienung und vom wirklich großen Kinderspielbereich sehr angetan, aber der Rest haut mich nicht vom Hocker.

Warum hier alles auf „echt schwedisch“ gemacht ist, kriege ich nicht so recht heraus, aber meine durch und durch „schwedische“ Freundin Birgitta bestätigt mir per WhatsApp, dass das alles ziemlich original aussieht. Nun gut, dann trinke ich hier eben einen „Fika“, Titus bekommt eine Apfeltorte mit Vanillesauce und damit kriegen wir den Nachmittag auch herum.

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