Bankgeschäfte und Nachtleben

Bankgeschäfte und Nachtleben

Frohgemut, nach Ausschlafen, einer Runde im Gym und im Pool, machen wir uns am späten Vormittag auf zur nächstgelegenen Filiale der DBS-Bank. Heute soll es endlich mit der Bankkarte für mich klappen! Praktischerweise haben die Bankfilialen in Singapur wochentags auch nur 18 Uhr geöffnet, aber am Samstag zumindest bis 14:30 Uhr.
Als wir gegen halb zwölf ankommen, müssen wir erst einmal eine halbe Stunde warten, obwohl Norman wieder einmal bereits vom Bus aus per App eine Wartenummer „gezogen“ hat. Zum Glück befindet sich die Filiale mitten in einem großen Einkaufszentrum, ein lustiges Kinder-Auto steht vor der Tür und Titus ist beschäftigt, indem er sich einfach zu Kindern mit reinsetzt, deren Eltern anscheinend noch nichts davon gehört haben, dass niemals und unter keinen Umständen Geld in so ein Fahrgerät eingeworfen werden darf. So ergattert das geschäftstüchtige Kind gleich mehrere Freifahrten als blinder Passagier, während Norman endlich mit der ersten Bankangestellten verhandelt. Leider stellt sich nach längerer Diskussion heraus, dass es überhaupt keine Möglichkeit gibt, für sein Konto eine zweite Karte für mich zu bekommen. Stattdessen muss ich ein eigenes Konto eröffnen, und für dieses Anliegen muss natürlich gleich eine ganz andere Wartenummer gezogen werden. Nun gut, nur 6 Leute warten dort vor uns, ich bin guter Dinge, doch man dämpft unseren Optimismus und rät uns, uns auf eine etwa 2stündige Wartezeit einzustellen.
Darauf brauche ich erst einmal ein Mittagessen, als olle Nicht-Frühstückerin ist meine Laune und mein Blutzucker im Keller. Zum Glück ist die Freßmeile im Untergeschoss äußerst ansprechend, und so essen wir uns kurz darauf durch vietnamesischen Mango-Salat, Koreanisches Bibimbap und Gemüsesuppe mit Tofu. Die erste Stunde Wartezeit ist danach schon mal fast rum.
Norman schnappt sich daraufhin Titus, die beiden verschwinden mitsamt dem Tretroller zum Fachhändler, denn noch steht ja die Montage des Kindergriffs an. Währenddessen bummle ich durchs Einkaufszentrum und vertrödle die Zeit.
Nach fast 2 1/2 Stunden wird endlich meine Wartenummer aufgerufen, inzwischen sind auch Norman und Titus wieder da (letzter möchte „seinen“ Griff am Roller am liebsten gar nicht mehr loslassen! Bei einem stolzen Montagepreis von 60 S$ sollte er den auch wirklich zu schätzen wissen…). 
Die folgende halbe Stunde verbringen wir mit Papierkram und Bankgeschäften, unfassbar, wie oft die Angestellte meinen Reisepass und meinen Dependent Pass kopiert und scannt, meine Unterschrift braucht und wieviele PINs ich mir mal soeben ausdenken muss. Unter anderem braucht die Bank auch unseren Mietvertrag als Nachweis über den Wohnsitz. Darin ist ja nur Normans Name aufgeführt, also muss er schriftlich erklären, dass ich dort bei ihm wohne.
Endlich liegt die Bankkarte schon fertig bedruckt und kalibriert vor uns, aber nun stellt sich heraus, dass meine Handynummer ja gar nicht unter meinem Namen registriert ist, da Norman den Vertrag abgeschlossen hat (weil ich ja noch kein Bankkonto hatte). Um diese Diskrepanz bürokratisch korrekt zu verordnen, benötigt man dazu den Original-Handyvertrag mitsamt einer schriftlichen Erklärung von Norman, dass er mir diese Handynummer überlässt. Damit können wir nicht dienen, und so muss ich nächste Woche wohl einen erneuten Versuch starten…
Bis wir zuhause ankommen, ist es bereits später nachmittag, und wir brauchen dringend ein Eis (= Titus), einen Eiskaffee (= ich) und einen „Chocolate Cheese Shake“ (= Norman). Das ist hier als Nachfolge von Bubble Tea der letzte Schrei, es gibt eine neue Getränke-Kette, die mit dem Spruch „Say Cheese“ seltsame Getränke verkauft. Den Verkaufsstand beäuge ich tagtäglich, konnte mir darunter aber noch nix vorstellen. Norman ist da ja zum Glück sehr schmerzfrei, und der „cheese“ in seinem Getränke stellte sich als eine Art „Frischkäse“ à la „Cheesecake“ heraus. Sehr lecker, aber so ein Becher voll hat bestimmt locker 500 Kalorien.

Die Sättigung hält aber offenbar nicht allzu lange an, denn nach einem ausgiebigen Besuch im Pool drängt man zum Aufbruch – heute wollen wir Chinatown unsicher machen! Zu unserer Verwunderung ist in den engen Gässchen kaum etwas los, die Touristenmassen scheinen heute alle ausgeflogen zu sein, und so schlendern wir recht gemütlich an den Verkaufsständen vorbei, an denen es herrlichen Schund zu kaufen gibt, und werden dann doch bei einer entzückenden Winkekatze schwach. Der erste Neukauf für die Wohnungseinrichtung!

Zu meiner großen Freude reiht sich in der Temple Street ein vegetarisches chinesisches Lokal an das andere, und der reizende Kellner berät uns aufs Beste: bald stehen Teller mit gebratenen Nudeln und mit den wildesten Tofu-Variantionen vor uns. Es schmeckt wirklich gut, selbst der Tofu-Gegner Norman ist angetan, und Titus ist mit Nudeln sowieso immer zufrieden. 

Während des Essens umweht uns allerdings ein permanenter Durian-Gestank vom Verkaufsstand an der nächsten Ecke. Norman findet den Geruch „süß, wie eine Mischung aus Ananas und Mango“ und will unbedingt ein Stück Durian zum Nachtisch, während mich der müffelnde Lufthauch an Verwesung denken lässt und sich ein latenter Würgereiz im Rachen ausbreitet. „Leider“ ist selbst die Probierportion mit 8 S$ zu teuer, und so muss Norman die Grenzerfahrung noch einmal veschieben.

Derart gestärkt, geht es ins Getümmel – und zwar zum Singapore Night Festival. Mitten in der Stadt finden hier die ganze Nacht lang Veranstaltungen statt, die meisten Museen haben geöffnet und zeigen Sonderausstellungen, es gibt Lichtershows und Musikdarbietungen, Essenstände und unheimlich viel Trubel. Kein Wunder, dass Chinatown so leer war; hier drängen sich tausende Besucher. Mit Titus auf den Schulter lassen wir uns ein bisschen treiben, bestaunen die tolle Show an der Außenfassade des Nationalmuseums, hören drinnen gemütlich der Swingcombo zu (oder tanzen sogar), gucken den Inline-Fahrern bei der Rollerdisco zu und genießen die warme Luft selbst um die späte Uhrzeit.

Es ist unheimlich viel los, das Gedränge ist schier unüberschaubar – doch fühle ich mich nicht so „bedrängt“ wie sonst bei solchen Menschenansammlungen. Nach kurzem Nachdenken verstehe ich den Grund: die Asiaten sind halt – wie wir auch – eher überschaubar in ihrer Körpergröße, und somit habe ich nie das Gefühl, dass ich nur auf Rücken gucke. Sehr angenehm, mal „Durchschnittsgröße“ zu haben!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Translate »