Countdown

Countdown

Du lieber Himmel – wo sind nur die letzten vier Wochen geblieben?! Schon sind die Vorsätze, hier wirklich schon während unserer Vorbereitungen serviceorientert zu berichten, hinfällig geworden. Und warum? Weil wir einfach so unfassbar viel zu erledigen hatten.
Abende lang redeten wir nur über „Wer tut was wann“, und die eigentliche Vorfreude kam aus Zeitgründen eigentlich nie auf. In jeder freien Minute (Weg von Zuhause in die Kita zum Beispiel) nutzte ich, um u.a. mit dem Arbeitsamt zu telefonieren; sehr zur Belustigung der Nachbarn.
Dann folgte unser Abschiedsfest Nummer Eins, zuhause bei meinen Eltern im Garten und mit unseren Familien und (Schul-)Freunden. Auch das wollte zumindest grob organisiert werden; wenn auch die Mischpoke wieder einmal den Großteil der Arbeit übernahm – die sind einfach allesamt partyerprobt und wuppen mal eben ein Grillfest mit 40 Leuten.
Einen Tag später bestieg Norman den Flieger und entschwand für zwei Wochen nach Singapur, zum Einarbeiten/Wohnungen besichtigen/reinschnuppern etc. Täglich schickte er ganz propagandataugliche Fotos von feschen Wolkenkratzern, Büros mit Meerblick und Wohnungen in Hochhäusern mit eigener Poollandschaft. Sogar meine asien-skeptischen Eltern waren am Ende der zwei Wochen doch sehr angetan und entzückt, dass dieses Singapur so gar nicht ihrer Vorstellung eines asiatischen Molochs entsprach.
Während dieser zwei Wochen organisierte ich derweil den kompletten Umzug unseres Hausrats. Zwei volle Tage standen 5 Möbelpacker in unserer Wohnung, schraubten, verpackten und wuchteten alle Dinge unseres täglichen Lebens in diverse Lastwagen und hinterließen nichts außer einer (leeren) Küche und einer Wohnung mit Nachhall in allen Räumen. 

Titus und ich spielten daraufhin „Camping“ zuhause, und dank der besten Nachbarn der Welt wurden wir mit lebenswichtigen Dingen wie Matrazen, Bettwäsche, Handtücher, Geschirr, Staubsauger und sonstigem versorgt. Denn so richtig zu Ende gedacht hatten wir beim Packen in manchen Punkten nicht. Zum Schlafen braucht man nämlich auch Kopfkissen, richtig?! Und wenn die schon in einem Container Richtung Nordsee unterwegs sind, muss man wohl Mama anrufen…
Zumindest mit diesen „Basics“ versorgt, waren die vergangenen zwei Wochen doch ziemlich lässig – jeden Abend wurden Titus und ich großzügig zum Essen eingeladen, und das Kind verkündete in der Kita: „Wir müssen uns täglich woanders durchfressen, weil wir daheim gar keine Töpfe mehr haben.“

Diese frischgebackene Tradition setzten wir kurzerhand auch nach Normans Rückkehr vergangenen Samstag fort, und nutzen damit gleich die Gelegenheit, noch einige sehr schöne Abende mit unseren Freunden zu verbringen. Und hier fängt gleich die nächste Schwierigkeit an, denn im Gespräch gestern fiel mir auf, auf dass wir keine 100 Stunden mehr in München vor uns hatten. Aaaah, um mich selbst zu zitieren: „Wo sind nur die letzten vier Wochen geblieben?“
Denn ganz nebenbei arbeitete ich auch noch den kompletten Juli durch (inklusive diverser Abenddienste sonntags) und versuchte außerdem, meinem Junior die Verlustängste zu nehmen, die er urplötzlich entwickelte. Klar sprechen wir viel mit ihm über unseren Umzug, klar gucken wir uns Reiseführer an und schauen auf der Weltkarte, wo Singapur liegt. Klar weiß er, dass er dort einen tollen Kindergarten besuchen und sich ein fesches Kinderzimmer einrichten darf… Und doch: plötzlich sind alle Spielsachen/Möbel/Fahrräder weg, die Wohnung ist leer, das Auto wird verkauft, der Papa ist weg, und da keimt auf einmal die Angst auf, wir könnten ohne ihn verschwinden. Das Kind, das zwei Jahre lang tagtäglich ohne eine Miene zu verziehen fröhlichst in die Kita marschiert ist, kriegt bei der Verabschiedung morgens auf einmal Panikattacken und klammert wie verrückt.
Daraufhin habe ich alle To-Do-Listen ignoriert und habe eine Woche lang nachmittags nur Zeit mit Titus verbracht. Ohne Handy in der Hand und nur mit Sachen und Besuchen und Unternehmungen, die ihm Spaß machten. Ohne Arzttermine mit fiesen Impfungen, nur mit viel Eis, Spielplatzbesuchen und ohne Zeitdruck. Und – siehe da: alles war wieder in Butter!
Was wir sonst noch unternommen haben, um Titus auf den Umzug einzustimmen, erzähle ich mal in einem gesonderten Post.
Nun jedenfalls liegen die letzten zwei Nächte in unserer Münchner Wohnung vor uns, und da es dort nicht mehr so richtig gemütlich ist, hält sich der Abschiedsschmerz in Grenzen. Im Nachhinein betrachtet also doch ganz clever, die Wohnung so früh ausräumen zu lassen! Am Sonntag abend fliegen wir dann tatsächlich alle zusammen los. Morgen steht unsere Münchner Abschiedsparty an, ganz stilecht im Biergarten, am Samstag läuft das finale Packen (einfach: alles, was noch in der Wohnung ist, kommt entweder in die Koffer oder kommt noch zu den Eltern oder wird dank e**yKleinanzeigen abgeholt) und Wohnung putzen, darauf folgt die Wohnungsübergabe unsere Mieter, die letzte Nacht verbringen wir dann im Hotel. Auch das wirkt hoffentlich dem Abschiedsschmerz entgegen.
Zum Glück habe ich nämlich auch dafür einfach viel zu wenig Zeit. Ein bisschen Sorge habe ich, dass das große Muffensausen oder ähnliches noch kommt, sobald ich Luft habe – aber da auch in Singapur zunächst einmal einiges an Alltagsorganisation auf uns wartet, dauert das vielleicht auch einfach. Ich bin ja nicht so der emotionale Typ, was Abschiede angeht.
So, das war nun quasi der Schnelldurchlauf durch den Juli – das vermittelt vielleicht einen ganz guten Eindruck, wie der Monat für mich verlaufen ist, nämlich husch-husch. Irgendwann gibts in Ruhe mal den Rückblick, aber nun: noch dreimal schlafen, dann geht es los!!!

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